Interboot zeigt recycelbaren Optimisten, das schnellste E-Boot und historische Rennyacht

Beim Medien-Rundgang standen viele Themen im Zeichen der Nachhaltigkeit

Nachhaltig, innovativ und ein bisschen luxuriös: so könnte man den Interboot-Medienrundgang kurz und bündig zusammenfassen. Aber natürlich steht die internationale Wassersport-Ausstellung, die vom 23. September bis 1. Oktober mit 352 Ausstellern und vertretenen Firmen in Friedrichshafen stattfindet, noch für vieles mehr. Der Medien-Rundgang bot nur einen kleinen Vorgeschmack von der Fülle an Themen, die es 2023 in sechs Hallen plus Freigelände, dem Foyer West und am Interboot Hafen zu sehen gibt: unter anderem nachhaltige Eco-Optimisten, ein Wohn-Motorboot der Luxusklasse, eine elegante Segelyacht mit der Dimension eines Kleinkreuzers, das schnellste elektrische Serien-Boot seiner Klasse, eine historische Rennyacht und ein Tretboot mit einer Topgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. „Die Interboot ist der Treffpunkt der Branche im Vierländereck“, sagt Projektleiter Felix Klarmann. „Wir schaffen Live-Erlebnisse mit persönlichem Austausch und neuen Kontakten. Hier verbindet sich fachliche Expertise mit Fun und Action.“

Eco-Optimist: Erstes recycelbares Serienboot der Welt aus Flachsfasern

Outdoor-Sportgeräte und -Kleidung belasten bei der Herstellung und Entsorgung die Umwelt. Das will das Start-up Khulula ändern und setzte vor zwei Jahren beim Lieblingssegelboot der Jüngsten an. Die ersten Eco-Optimisten wurden in Wilhelmshaven aus natürlichen Flachsfasern mit Bio-Harzen gebaut. Dabei entsteht ein 70 Prozent geringerer CO2-Fußabdruck als herkömmlich und die Boote sind zu 90 Prozent recycelbar. Damit warben bundesweit Kinder in der Premierensaison bei Eco-Team Races für den Klimaschutz. Jüngst wurde das Boot in der erstmals ausgeschriebenen Kategorie Sport für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert, der höchsten Auszeichnung in diesem Segment. Neben einem „grünen“ SUP-Board gehört auch der ebenfalls nominierte Marktplatz Planetics.de für nachhaltige Sportmode und -ausrüstung zu den Aktivitäten der Gründer.

 

SY ARGO: Historische Bodensee-Rundum-Siegerin erstrahlt in neuem Glanz

Sie hat Geschichte geschrieben bei der traditionsreichen Regatta Bodensee Rundum. Nicht weniger als achtmal gewann die gertenschlanke, nur 2,75 Meter breite 19-Meter-Segelyacht ARGO zwischen 1964 bis zuletzt 1984 das Blaue Band der Langstrecke. Danach sollte der 1932 bei Abeking & Rasmussen als „Schwanenweiß VI“ vom Stapel gelaufene 75-qm-Schärenkreuzer von einer Rennyacht zu einem Oldtimer umgebaut werden. Das kam Ende der Neunzigerjahre durch den plötzlichen Tod des Eigners Helmut Vetter zum Stillstand. Auf Initiative seiner Tochter Bianca endete der Dornröschenschlaf. Bei der Michelsen-Werft wird die ARGO seit diesem Jahr komplett restauriert. Die noch offene Rumpfschale erstrahlt bereits in neuem Glanz. Künftig soll die Yacht für Erlebnispädagogik sowie Austauschprogramme wieder die 125 Quadratmeter-Segel setzen.

 

Bente 28: Kompakte, größere Schwester der erfolgreichen Bente 24

Der lang ersehnte Verkaufsstart der Bente 28 hatte sich durch die Corona-Pandemie und wirtschaftliche Turbulenzen der Ursprungswerft auf Anfang dieses Jahres verzögert. Seitdem segelt die 8,65 Meter lange und 2,99 Meter breite Fahrtenyacht in der Erfolgsspur ihrer kleinen 24er-Schwester. Vier Fuß mehr bedeuten durch das voluminöse Vorschiff deutlich mehr Platz unter Deck, wo auf Schnörkel bewusst verzichtet wird. Der sogenannte Dodger, eine gläserne Haube über dem Niedergang, wurde beibehalten und flutet die Kabine mit Tageslicht. Die ohnehin überzeugenden Segeleigenschaften können durch einen Performance-T-Kiel (1,95 Meter Tiefgang statt 1,65) noch optimiert werden. Die segelfertige Standardausführung beginnt bei knapp 130.000 Euro; die Ausführung ‚Edition‘ mit Rollreffgenua, Carbon-Bugspriet und Gennaker, selbstholenden Winschen, Harken-Beschlägen und sogar Induktionsherd, lässt für 35.000 Euro mehr kaum Tourenwünsche offen.

 

Say 42: Weekender aus Carbon

Es ist knapp 13 Meter lang, vier Meter breit und besticht durch sein stylisches Design gepaart mit modernster Technik. Die Say 42 will beweisen, dass stilvolles, luxuriöses und vor allem nachhaltiges Bootfahren mit der Familie und Freunden möglich ist. Ausgestattet mit zwei zertifizierten Ultra-low-emission V8 Motoren (860 PS) verbraucht die Say 42 bis zu 50 Prozent weniger Kraftstoff im Vergleich zu herkömmlichen Motoryachten bei gleichbleibender Performance. Die Carbon-Spezialisten von SAY aus Wangen im Allgäu ließen passend zum Leistungsvermögen bei dem Automotive-Spezialisten KET (Karosserie Entwicklung Thurner) aus München ein sehr sportliches Boot zeichnen, bei dem vor allem die exponierte Liegefläche im Heck, die breite Badeplattform und das große Skylight im Bug auffallen. Auf der Interboot ist die Say 42 als größtes ausgestelltes Motorboot ein echter Hingucker.

 

Performance e801: Schnellstes Elektro-Motorboot weltweit

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 34,71 Knoten (rund 64 km/h) über eine Strecke von einem Kilometer gewann die Performance e801 Anfang Juli als neue Rekordhalterin die Monaco Energy Boat Challenge. Für das emissionsfreie Modell wurde der 7,90-Meter-Rumpf der italienischen Werft – seit 2020 unter deutscher Führung – per Vakuum-Infusionsverfahren fast 300 Kilogramm leichter gebaut. Das ermöglicht mit dem mehr als 300 kW starken Evoy-E-Motor aus Norwegen eine Geschwindigkeit von mehr als 50 Knoten. Wer sinnig fährt, schafft bis zum nächsten Laden der beiden wasserdichten 63-kWh-Batterien aus Österreich 60 Kilometer. Nach einer dreiviertelstündigen Kaffeepause liegt die Kapazität je nach Ladestrom wieder bei 80 Prozent.

 

Mittelgroße Motoryacht für höchste Komfortansprüche

Die 30 CA reiht sich nahtlos in die Großfamilie der luxuriösen Grandezza-Motoryachten aus Kokkola ein. Die erstklassige finnische Bootsbaukunst spiegelt sich in vielen Details wider. Zwischen der 28 und der 34 kombiniert das neueste Modell Ästhetik und moderne Funktionalität. Während die individuell anpassbaren Freiflächen acht Personen zu Tagestörns zulassen, übernachten zwei Paare oder eine vierköpfige Familie in zwei geräumigen Kabinen mit ausziehbarem Doppelbett vorne und wahlweise auch Einzelbetten in der Mitte. Das separate Badezimmer bietet eine Dusche und eine elektrische Spültoilette.

 

Seacycler: Elektro-Tretboot mit Option zur Gleitfahrt

Der Run auf E-Bikes ist auf den Fahrradwegen der Welt nicht mehr aufzuhalten. Warum also nicht auch auf dem Wasser mit Unterstützung in die Pedale treten. Der Seacycler erfordert den Einsatz von Muskelkraft und steuert nach den Gängen Eco, Cruise und Sport gestaffelt Elektropower dazu. Geschaltet wird übers digitale Armaturenbrett per Knopfdruck. Das 5,25 Meter lange und 1,65 Meter breite Tretboot wiegt ungebremst trailerbare 600 Kilogramm und kann eine vierköpfige Familie befördern. Strampeln sich Pilotin und Co-Pilot wie auf einem Rennrad kräftig ab, ist eine Gleitfahrt mit gut 20 Knoten kein Problem. Sieben Knoten Tourenspeed verursachen kaum Erschöpfung. Mit Solarpaneelen auf dem Bug soll der Ladestrom künftig selbst erzeugt werden.

 

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