Friedrichshafen – Saubere Flüsse, Seen und Ozeane sind die Grundlage für einen positiv besetzten Wassersport. Aktive Freizeitkapitäne und Crews wollen ihre Reviere schützen und erwarten von der maritimen Wirtschaft zunehmend Lösungen, die Umwelt und Ressourcen schonen. Auf der Interboot (23. bis 27. September) rücken deshalb zwei Bereiche besonders in den Fokus: In der E-Boat Area werden innovative Boote mit non-fossilen Antrieben präsentiert, während das Refit-Center zeigt, wie sich bestehende Boote fachgerecht pflegen, reparieren und möglichst lange nutzen lassen.
Elektroboote für den Tagestörn
Rund um den Balaton setzen ungarische Werften schon lange auf Elektromotorboote. So promotet die Firma Pelsolutions Wia Electric Yachts und stellt mit der gut 16 Meter langen Wia 520 HardTop nicht nur die größte Yacht der Interboot aus, sondern bringt zudem die Wia 230 CC in die E-Boat Area. Das knapp sieben Meter lange Boot wiegt 1.200 kg und ist mit einem Mittelklasse-PKW trailerbar. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 8 km/h reichen die Batterien acht Stunden, also für einen typischen Tagestörn.
Mit mehr als 200 verkauften Exemplaren ist die Stickl E-volution 660 seit vielen Jahren ein Bestseller. Um einer breiteren Kundschaft gerecht zu werden, feiert sie in der neuen, einfacheren Essence-Ausführung für unter 80.000 Euro ihre Messepremiere. Ebenfalls in der E-Boat-Area stehen die nur 1,80 Meter breite E-motion 610 für kleinere Gewässer mit engen Liegeplätzen sowie das Flaggschiff E-njoy 800, das bis zu neun Personen Platz bietet. Mit 125-kW-Antrieb erreicht es bis zu 60 km/h.
Leichtbau und Foils senken den Energiebedarf
Die Münchner Hightech-Schmiede Kaebon setzt sowohl auf Gewichtsersparnis durch Kohlefaserleichtbauweise und dadurch geringere Motor- und Batterieleistungen als auch auf Tragflächen.Das Modell EB EINS fly wiegt bei 5,25 Meter Länge nur 350 Kilogramm und hebt dank eines aktiven Systems, das die Anstellwinkel der Foils regelt, bereits ab neun Knoten Bootsspeed (ca. 16 km/h) über die Wasseroberfläche ab. Durch Leichtbau und Foiling-Technologie lässt sich der Energiebedarf reduzieren. Drei Elektromotoren von nur 3 kW Dauerleistung genügen für zwölf Knoten Marschfahrt. Am 230-Volt-Netz sind die Batterien in fünf Stunden wieder aufgeladen.
Elektrische Lösungen für unterschiedliche Bootskonzepte
Bereits im Vorjahr hat der futuristisch anmutende Sperrholzkatamaran Twiel Z7 von MIZU Marine auf der Interboot für Aufsehen gesorgt. Der Doppelantrieb von ePropulsion mit je 20 kW macht das nostalgisch moderne Sportwagenboot mehr als 70 km/h schnell. Mit lediglich 2 kW kommt hingegen das niederländische Alu-Angelboot Qwest B422 für nur 3.150 Euro aus, das Angelboote Eckert in die E-Boat Area bringt. Der kleine E-Antrieb ersetzt das Rudern und liefert mehr als genug Tempo für das beliebte Schleppangeln. Die Firma GreenIng aus Leutenbach entwickelt bereits seit 15 Jahren elektrische Antriebslösungen und wird E-Systeme im Leistungsbereich zwischen 5 und 45 kW vorstellen. Außerdem belegt das Electric RIB 600 die Vorteile eines modularen Batteriesystems, das an den jeweiligen Bauraum angepasst werden kann. Yamaha Motor Europe zeigt das Schlauchboot YAM 275S mit dem E-Außenborder Torqeedo Travel XP (5 PS), Wassersport Ratajczak ein 2,60-Meter-Schlauchboot der Marke Highfield.
Refit verlängert das Bootsleben und reduziert den Bedarf an Neuteilen
Ressourcenschonung im Wassersport beginnt jedoch nicht erst beim Antrieb. Wer ein vorhandenes Boot pflegt und repariert, verlängert seine Lebensdauer und benötigt weniger neue Bauteile und Materialien. Genau hier setzt das neue Refit-Center der Interboot an. Fachleute zeigen dort täglich, wie sich bestehende Boote professionell erhalten und reparieren lassen. In mehreren Workshops können Besucherinnen und Besucher sogar selbst Hand anlegen. Die Anmeldung und die jeweiligen Uhrzeiten sind im Tagesprogramm auf der Webseite zu finden: https://www.interboot.de/messe-programm/tagesprogramm.
Vom klassischen Handwerk bis zum Ersatzteil aus dem 3D-Drucker
So widmet sich von der Linden aus Wesel am Interboot-Wochenende der Behebung typischer GFK-Schäden (Glasfaserverstärkter Kunststoff) – von der Vorbereitung bis zur Oberflächenbearbeitung. Von Mittwoch bis Sonntag werden Pinsel und Rolle für ein sauberes, langlebiges Finish der Bootslackierung geschwungen. Dazu liegt ein Gebrauchtboot als authentisches Versuchsobjekt bereit. Sailmotive Solutions präsentiert eine clevere Schleifunterstützung für anstrengende Über-Kopf-Arbeiten mit Schleifmaschine, was ein staubarmes und gesundheitsschonendes Arbeiten ermöglicht, und lädt Interessierte zum Ausprobieren ein. Wie moderne Technik dabei helfen kann, ältere Boote länger in Betrieb zu halten, demonstriert Sailmotive außerdem anhand von 3D-Scan und 3D-Druck. Bauteile, die als Ersatzteil nicht mehr erhältlich sind, können digital erfasst und anschließend neu gefertigt werden.Die Firma SeaDek zeigt darüber hinaus, wie ein selbstklebendes Bootsdeck aus elastischem EVA-Material fachgerecht verlegt wird.
Der Wassersport bleibt in Bewegung, auch mit Blick auf seine Zukunft. Die E-Boat Area und das Refit-Center stehen dabei nur beispielhaft für eine Entwicklung, die auf der Interboot in vielen Bereichen sichtbar wird. Zahlreiche Aussteller präsentieren Boote, Antriebskonzepte und Ausrüstungslösungen, die zeigen, wie vielfältig die Branche auf die Anforderungen von morgen reagiert.
Tickets und Öffnungszeiten
Die Interboot 2026 findet vom 23. bis 27. September statt. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonntag bis 17 Uhr. Unter der Woche wird ab 15 Uhr ein vergünstigtes Nachmittagsticket angeboten, am Sonntag gibt es ab 14 Uhr das „Last Chance Ticket“. Die InterDive öffnet am Donnerstag ab 12 Uhr. Parken ist kostenlos. Weitere Informationen im Internet unter www.interboot.de und auf www.facebook.de/interboot oder www.instagram.com/interboot.friedrichshafen.