Friedrichshafen – Die maritime Wirtschaft der Schweiz geht mit Rückenwind und Zuversicht auf die Interboot nach Friedrichshafen. In einem herausfordernden globalen Umfeld weisen zumindest die Exportzahlen aus dem ersten Halbjahr 2026 eine Marktbelebung aus. Auf der 65. Internationalen Wassersportmesse vom 23. bis zum 27. September soll auch die Binnennachfrage weiter angekurbelt werden. Die Halle B1 mit dem doppelten Gemeinschaftsstand des Schweizerischen Bootbauer-Verband (SBV) bildet den Mittelpunkt für rund 30 Aussteller, die wieder einige Premieren und angesagte Trends mit an den Bodensee bringen.
„Es geht wieder bergauf“
„Der im Vorjahr noch zurückhaltende Verkauf vor allem von Neubooten, sollte die Talsohle durchschritten haben“, sagt SBV-Geschäftsführer Vinzenz Batt. „Unsere Mitglieder frohlocken noch nicht, aber es geht offenbar wieder bergauf.“ Das deckt sich mit der Konjunkturprognose des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft, das für 2027 mit einem beschleunigten Wachstum von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts rechnet. Entgegen früheren Trends zogen die Verkäufe von kleineren Motorbooten unter 7,50 Metern Länge stärker an als bei größeren Einheiten. In diesem Bereich hat sich sogar der Import stabilisiert, der vom Volumen her in der Schweiz nach wie vor eine mehrfach größere Bedeutung hat als der Export. Ähnlich positiv bilanziert Davor Panarese als Verkaufsleiter der KIBAG Marina aus Bäch das bisherige Geschäftsjahr: „Es gibt wieder mehr Bewegung an der Verkaufsfront. Der Gebrauchtbootmarkt entwickelt sich weiter sehr erfreulich, aber auch die Nachfrage nach neuen Booten steigt.“ Als neuer Generalimporteur von Finnmaster wird die T9 mit T-Top als Messepremiere gezeigt, genau wie die finnische Motoryacht Grandezza 34 OB. Der Messestand wird komfortabler, da alle Boote vom Podest aus besichtigt werden können, darunter zwei weitere Grandezzas und zwei Cobalt-Boote aus den USA sowie ein Karel Odyssea 750 C und das ungarische Elektro-Boot Stickl E-Spirit 730. Darüber hinaus ist KIBAG in der E-Boat Area mit drei kleineren Stickl-Modellen sowie im Einsteigerforum mit zwei Karels präsent.
Mahagoni-Klassiker trifft auf Deutschlandpremiere
Als Gründungsmitglied der Interboot hat die Boesch Motorboote AG aus Kilchberg am Zürichsee einen Stammplatz in der Halle B1. Inhaber Markus Boesch blickt durchaus mit Sorge auf die weltweiten Unruhen, die „Gift für die Branche“ seien. Er beobachte bei vielen Werften zudem einen zu gewollten Drang nach Neuheiten, die zum Investitions- und Kalkulationsrisiko würden. Boesch setzt am Stand mit den klassischen Mahagoni-Neubauten Sunski 625 und 710 Sunsport auf Kontinuität. Eine frisch restaurierte 590 steht zudem für das Nachhaltigkeitspotenzial im Bootsbau.
Als Schweizer Jeanneau-Händler freut sich Yves Bosshart von der ProNautik AG aus Romanshorn mit der Hausammann Boote AG aus Uttwil neben der Cap Camarat 9.0 CC besonders auf die Deutschlandpremiere Cap Camarat 6.0 CC, die einige Trümpfe der großen Schwester übernommen hat und mit cleveren Features überzeugt. Das Sechs-Meter-Motorboot machte in seiner Aqua-Top-Version sofort von sich reden, bei der das Sonnendach des Fahrstands im Handumdrehen abnehmbar zur schwimmenden Badeinsel wird. Darüber hinaus werden eine hybridangetriebene Greenline 39 aus Slowenien und eine Bavaria S29 Signature Edition mitgebracht.
Jubiläumsdesign, US-Sportboote und Schweizer Manufaktur
Zum 60-jährigen Bestehen der Werft zeigt die Hochmuth Bootsbau AG aus Stansstad eine Windy 34 Alizé im farbigen Anniversary Design. Neben der speziellen Folierung mit blauem Rumpfstreifen gehören ausgewählte Karbonelemente zur Jubiläumsausstattung. Auch die Marex 310 SC erfuhr ein Facelift durch eine größere Badeplattform und ein für Solarpaneele optimiertes Dach. Beide Boote haben eine Bodenseezulassung.
Auf drei verschiedene Chris-Craft Boote der Launch-Serie stockt die W.A.R. Bootsbau & Bootshandel AG ihre Interboot-Palette auf. Neben einer neuen 25 GT kommen auch die 27 sowie eine 28 GT. Die Yachtwerft Portier AG aus Meilen als Mitausteller ist ebenso wie W.A.R. auf dem Brunswik-Stand vertreten, der allein 14 Sea-Rays sowie die Marken Boston Whaler und Navan beherbergt. Die Ganz Boats GmbH aus Zürich konzentriert sich nach ihrem Vorjahresauftritt diesmal auf die Ganz Ovation 7X open, die für zehn Personen auf Wunsch auch elektrischen Fahrspaß bietet. Die Romanshorner Werft52 repräsentiert die Comitti V28 (classic teak), die Performance 90X und die SAY 32 an eigenen Ständen. Zudem geht eine Rau 490 Cholios ins Einsteiger-Forum.
Wasserski-Boote, Außenborder und ein italienisches Schmuckstück
Unabhängig vom zollbelasteten Handel mit den USA importiert die Moomba Supra AG aus Muntelier die gleichnamigen Wasserski- und Wakeboarding-Boote nach Friedrichshafen. Aus dem Modelljahr 2027 wartet die vielseitige Supra SA mit automatisch ausgeglichener Wellenbildung bei Gewichtsverlagerung an Bord auf. Die etwas kleinere Moomba Mondo besticht durch kraftvolle Wendigkeit bei 261-kW-Motorisierung. Premiere bei der Interboot feiert außerdem der Yamaha-Showroom-Trailer der ProMot AG aus Safenwil mit den Partnern Bärs Boot-Service GmbH aus Steckborn und Wirth Freizeit AG aus Arbon. Zu sehen ist eine breite Palette an Außenbordern, darunter auch Modelle von Torqeedo. Zwei Yamarin-Motorboote (63 DC und 50 BR) ergänzen den Auftritt. Ein italienisches Schmuckstück bringt Nautica’s Services Sagl aus Bioggio an den Bodensee: Die Sestante 6.8 stammt von der Traditionswerft Verga 1958. Angetrieben wird sie vom neuen Außenborder Tohatsu MFS 150 A, der 40 Kilogramm leichter als vergleichbare ist und den Klassiker bis zu 40 Knoten schnell macht. Als Mitaussteller von Boote Pfister stellt Unimercure SA aus Hauterive in der Halle B2 die Motoryacht Delphia 11 vor. Die Bootswerft Samarin GmbH aus Diessenhofen steht dem Bootscenter Menken in der B3 vor allem für die Marken Saver und Infinity zur Seite.
Schweizer Treffpunkt in Halle B1
Weitere namhafte Firmen sind an den Gemeinschaftsständen vor der SBV-Lounge vertreten. Neben dem führenden Schweizer Wassersportmagazin Marina.ch gehören der Versicherer Allianz Suisse und der Yachtfinanzierer Leasepoint sowie Landolt Engineering mit ihren Bootshebeanlagen dazu. Die Wakeboat Garage feiert 50 Jahre Centurion mit dem Wasserskiboot Ri230 und bringt außerdem eine Supreme S220 für bis zu 14 Personen zur Messe.
Tickets und Öffnungszeiten
Die Interboot 2026 findet vom 23. bis 27. September statt. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonntag bis 17 Uhr. Unter der Woche wird ab 15 Uhr ein vergünstigtes Nachmittagsticket angeboten, am Sonntag gibt es ab 14 Uhr das „Last Chance Ticket“. Die InterDive öffnet am Donnerstag ab 12 Uhr. Parken ist kostenlos. Weitere Informationen im Internet unter www.interboot.de und auf www.facebook.de/interboot oder www.instagram.com/interboot.friedrichshafen.
.