Frauen gestalten den Wassersport heute auf vielfältige Weise: Sie gewinnen internationale Titel, begeistern junge Menschen und zeigen, dass Leidenschaft, Können und Teamgeist keine Frage des Geschlechts sind. Auf der Interboot (23. bis 27. September) treffen genau diese unterschiedlichen Perspektiven aufeinander: Olympionikin und Kitesurferin Alina Kornelli, die Juniorenmeisterinnen im 49er FX Katharina Schwachhofer und Elena Stoltze sowie Seglerin und Motorboottrainerin Deike Schütte. Alle vier Frauen geben Einblicke in ihre unterschiedlichen Wege aufs Wasser und möchten andere Frauen dazu ermutigen, den Wassersport für sich zu entdecken.
Alina Kornelli: Freiheit auf dem Wasser, Gemeinschaft im Herzen
Alina Kornelli ist eher zufällig in den Leistungssport hineingerutscht. „Meine Eltern haben mich nie gedrillt oder unter Druck gesetzt“, erzählt sie. Dass aus ihrer Leidenschaft einmal eine Profikarriere entstehen würde, hätte damals niemand gedacht. Aber: „Von 2016 bis 2024 wurde der Sport mit dem olympischen Ziel zu einem sehr intensiven Teil meines Lebens.“ Am Wassersport begeistert die Kitesurferin vor allem das Gefühl von Freiheit und die besondere Gemeinschaft. „Egal, wo ich auf der Welt unterwegs bin, man trifft fast immer Leute, die man kennt oder kommt sofort mit anderen Wassersportlern ins Gespräch. Es fühlt sich an wie eine große Familie, in der sich alle gegenseitig unterstützen und gemeinsam die Leidenschaft für den Sport und die Natur teilen“, schwärmt sie. Inzwischen nimmt sich die Athletin bewusst mehr Zeit für Social Media, um ihren Sport und ihren Lifestyle dort zu teilen und andere dafür zu inspirieren. Insbesondere junge Mädchen möchte sie dazu ermutigen, Neues auszuprobieren und sich selbst etwas zuzutrauen. „Ich möchte ihnen vor allem mitgeben, dass man gleichzeitig sportlich und feminin sein darf. Man muss sich nicht verstellen oder perfekt sein, um sich etwas zuzutrauen. Man darf auch mal hinfallen oder scheitern – genau dadurch lernt man.“ Am Interboot-Wochenende gibt Alina Kornelli Pumpfoil-Kurse auf dem Messe-See, präsentiert ihr Können auf dem Board im Interboot Hafen und hält Vorträge im Travel & Sailing Center in Halle A3. Sie freut sich vor allem auf den persönlichen Austausch mit den Besucherinnen und Besuchern. Für die Sportlerin sind Veranstaltungen wie die Interboot eine wichtige Möglichkeit, Menschen für den Wassersport zu begeistern und ihnen den Einstieg näherzubringen.
Katharina Schwachhofer und Elena Stoltze: Teamgeist als Erfolgsrezept
Auch die Juniorenmeisterinnen im 49er FX Elena Stoltze und Katharina Schwachhofer möchten ihre sportlichen Erfolge nutzen, um anderen Mut zu machen und insbesondere Mädchen darin zu bestärken, selbst den Weg aufs Wasser zu wagen. Seit neun Jahren segeln die beiden inzwischen als Team – eine lange Zeit, die sie sportlich und persönlich geprägt hat. „Kein Tag auf dem Wasser ist wie der andere“, erzählen sie. Die Mischung aus ständig wechselnden Bedingungen, taktischen Entscheidungen, körperlicher Höchstleistung und der engen Verbindung zur Natur mache den Reiz ihres Sports aus. Als junge Spitzensportlerinnen erleben sie, dass Frauen heute im Segelsport zwar selbstverständlich ihren Platz haben, es aber weiterhin Herausforderungen gibt. Die Vereinbarkeit von Leistungssport und Familie, kleinere Teilnehmerinnenfelder oder gesellschaftliche Erwartungen an das Körperbild von Athletinnen sind Themen, die aus ihrer Sicht mehr Aufmerksamkeit verdienen. Veranstaltungen wie die Interboot würden einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Nachwuchs, Spitzensport und Vereine zusammenbringen. „Sie machen den Segelsport sichtbar.“ Mit der Messe verbinden die beiden zudem persönliche Erinnerungen: „Elena wurde hier bereits als Opti-Seglerin für ihre Erfolge geehrt. Später wurden wir gemeinsam als 29er Team ausgezeichnet“, erinnert sich Katharina. „Es bedeutet uns sehr viel, in diesem Jahr bei der Interboot dabei zu sein. Für uns ist das eine besondere Möglichkeit, nicht nur über unseren Sport zu sprechen, sondern auch über die Werte, die uns antreiben: Teamwork, Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft und den Umgang mit Herausforderungen.“
Deike Schütte: Mit Übung wächst das Vertrauen ins eigene Können
Während Alina Kornelli, Katharina Schwachhofer und Elena Stoltze als Spitzensportlerinnen andere für den Wassersport begeistern möchten, setzt Deike Schütte dort an, wo für viele Frauen der erste Schritt beginnt: am Steuer eines Motorboots. Die erfahrene Seglerin und Motorboottrainerin erlebt in ihren Fahrtrainings immer wieder, dass Frauen zwar regelmäßig auf Motorbooten unterwegs sind, das Steuer jedoch häufig ihrem Partner überlassen. Und genau hier setzt das Interboot „Motorboot-Fahrtraining – Ladys only“ an: In kleinen Gruppen sollen die Grundlagen des Manövrierens vermittelt und eine Atmosphäre geschaffen werden, in der Frauen offen Fragen stellen und Neues ausprobieren können. „Wir schaffen zunächst ein Verständnis dafür, was beim Manövrieren eigentlich passiert. Wenn die Frauen dann selbst ans Steuer dürfen und merken, dass sie das Boot kontrollieren können, macht ihnen das richtig Spaß.“ Besonders wichtig sei dabei die Lernatmosphäre. „Mit einer Trainerin und einer reinen Frauengruppe an Bord wird häufig schneller über Ängste und Wünsche gesprochen als in gemischten Gruppen.“ Beim Training ginge es dementsprechend nicht nur um technisches Verständnis, sondern vor allem um Selbstvertrauen. Während sich im Segelsport in den letzten Jahren einiges verändert habe, sieht Deike Schütte im Motorbootbereich noch viel Entwicklungspotenzial. Dass es bislang nur wenige Motorboottrainings im Gegensatz zu Segeltrainings für Frauen gibt, führt sie unter anderem auf die große Vielfalt unterschiedlicher Bootstypen und Antriebssysteme bei Motorbooten zurück. Eine stärkere Vernetzung von Bootsschulen und Trainerinnen könne dazu beitragen, passende Angebote für unterschiedliche Bootstypen zu schaffen. Umso mehr freut sich Deike Schütte wieder auf das Motorboot-Training im Interboot-Hafen. Die Kombination aus praktischem Fahrtraining und persönlichem Austausch biete ideale Voraussetzungen für Frauen, um Berührungsängste abzubauen und auch mal in Notfällen schnell und selbstsicher das Steuer zu übernehmen, denn „wenn Mama nicht fahren kann, hat Papa ein Problem.“