Alina Kornelli

Freiheit auf dem Wasser, Gemeinschaft im Herzen

Du bist in einer Sportlerfamilie aufgewachsen – war für dich früh klar, dass du einmal Profisportlerin werden möchtest?

Alina Kornelli: "Eigentlich überhaupt nicht. Als Kind war ich unglaublich aktiv. Meine Eltern haben immer gesagt, ich sei ein richtiger Zappelphilipp. Ihnen war es wichtig, dass ich möglichst viele Sportarten kennenlerne. Deshalb habe ich früh Skifahren, Snowboarden, Schlittschuhlaufen, Golf, Tanzen und später auch Windsurfen gelernt. Ich habe außerdem einen zweieinhalb Jahre älteren Bruder, und ich glaube, das hat mich schon geprägt. Man wollte als kleine Schwester immer genauso gut sein wie der große Bruder. Trotzdem hatte ich nie den Traum, Profisportlerin zu werden. Im Gegenteil, bis ich ungefähr 12 oder 13 war, war es mir im Schulsport sogar eher unangenehm, so richtig ins Schwitzen zu kommen. Mit 12 habe ich dann zusätzlich Volleyball gespielt und bin über den Schul-Snowboardsport zum Snowboardcross gekommen. Dort habe ich meine ersten Wettkämpfe bestritten und wurde schließlich Deutsche Jugendmeisterin. Mit 16 bin ich dann meine erste internationale Kitesurf-Europameisterschaft gefahren. Dort habe ich gemerkt, dass ich trotz meiner wenigen Trainingstage mit den besten europäischen Fahrerinnen mithalten konnte, obwohl ich nicht an der Küste wohne und eigentlich nur in den Schulferien aufs Wasser kam. Als dann die Olympischen Jugendspiele 2018 in den Fokus rückten, habe ich zum ersten Mal gedacht: Vielleicht steckt da wirklich Potenzial drin. Meine Eltern haben mich nie gedrillt oder unter Druck gesetzt… sie wollten einfach, dass ich möglichst viel ausprobiere. Dass daraus einmal eine Profikarriere entstehen würde, hätte damals niemand gedacht. Von 2018 bis 2024 wurde der Sport dann mit dem olympischen Ziel zu einem sehr intensiven Teil meines Lebens."

Was begeistert dich am Wassersport?

Alina Kornelli: "Mich begeistert am Wassersport vor allem dieses Gefühl von Freiheit. Du bist draußen in der Natur, komplett im Moment und musst dich auf Wind, Wasser und dich selbst verlassen. Das fordert einen, aber genau daran wächst man auch. Und was ich genauso liebe, ist die Community. Egal, wo ich auf der Welt unterwegs bin - ob in Südafrika, Brasilien oder Griechenland, man trifft fast immer Leute, die man kennt oder kommt sofort mit anderen Wassersportlern ins Gespräch. Es fühlt sich einfach wie eine große Familie an, in der sich alle gegenseitig unterstützen und gemeinsam die Leidenschaft für den Sport und die Natur teilen."

Du bist für viele ein Vorbild. Gab es auf deinem eigenen Weg Vorbilder, die dich inspiriert haben?

Alina Kornelli: "Eine einzelne Person gab es eigentlich nie. Aber es gab einige Profi-Athletinnen aus dem Snowboard- und Kitesport, zu denen ich immer aufgeschaut habe. Früher waren sie in Kitesurf-Magazinen, auf Titelbildern oder bei großen Fotoshootings zu sehen und hatten schon früh eine starke Präsenz in den sozialen Medien. Ich fand das damals unglaublich beeindruckend und habe mir oft gedacht: Wie cool wäre es, selbst einmal dort zu stehen oder einen Zeitungsartikel über sich zu lesen. Das hat mich schon motiviert und inspiriert. Heute ist es verrückt, dass ich selbst manchmal für junge Sportlerinnen diese Rolle einnehmen darf."

Was möchtest du jungen Mädchen mitgeben, die sich vielleicht noch nicht trauen, aufs Board oder aufs Wasser zu gehen?
 

Alina Kornelli
Man muss sich nicht verstellen oder perfekt sein, um sich etwas zuzutrauen. Man darf auch mal hinfallen, Fehler machen oder scheitern – genau dadurch lernt man.

Alina Kornelli: "Die Frage liegt mir wirklich am Herzen. Gerade seit meiner Olympia-Kampagne nehme ich mir bewusst mehr Zeit für Social Media, weil ich meinen Sport und meinen Lifestyle teilen und andere dafür begeistern möchte. Inzwischen bekomme ich immer wieder Nachrichten von Mädchen, die wegen meiner Videos mit dem Kiten angefangen haben oder es lernen möchten. Erst vor Kurzem habe ich am Strand eine Familie aus der Schweiz getroffen. Die 13-jährige Tochter wollte vorher nie Kitesurfen ausprobieren. Nachdem sie mich kennengelernt und sich später über mich informiert hatte, hat sie ihren ersten Kitekurs gemacht. Solche Geschichten freuen mich riesig. Ich möchte jungen Mädchen vor allem mitgeben, dass man gleichzeitig sportlich und feminin sein darf. Man muss sich nicht verstellen oder perfekt sein, um sich etwas zuzutrauen. Man darf auch mal hinfallen, Fehler machen oder scheitern – genau dadurch lernt man. Gerade Wassersport gibt unglaublich viel Selbstvertrauen. Wenn man alleine draußen auf dem Wasser ist, wächst man über sich hinaus. Man lernt nicht nur den Sport, sondern auch sich selbst besser kennen. Dazu kommen die Reisen, die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt, der gesunde Lifestyle und die vielen unterschiedlichen Kulturen. Das macht den Sport für mich so besonders."

Du wirst auf der Interboot unter anderem einen Pumpfoil-Kurs geben. Pumpfoilen begeistert immer mehr Menschen. Was macht diesen Sport so attraktiv?

Alina Kornelli: "Ich finde es total spannend, wie schnell Pumpfoilen gerade wächst. Ein großer Vorteil ist, dass man dafür keinen Wind braucht. Im Grunde braucht man nur Wasser und eine Möglichkeit zu starten. Dadurch ist der Sport viel flexibler und leichter zugänglich als viele andere Wassersportarten. Außerdem benötigt man deutlich weniger Material. Man hat einfach sein Board dabei und kann loslegen.
Und natürlich sieht es einfach spektakulär aus. Über das Wasser zu fliegen, ohne Segel, Kite oder Motor … das wirkt fast irreal. Dieses Gefühl kommt dem Fliegen unglaublich nahe. Ich glaube, genau das fasziniert so viele Menschen. Der Einstieg ist allerdings anspruchsvoll. Pumpfoilen braucht Geduld und Übung und am besten jemanden, der einem die ersten Schritte zeigt. Aber wenn man dranbleibt, ist das Gefühl auf dem Foil jede Minute wert.

Impressionen

Trendsportarten gelten oft als besonders offen und unkompliziert. Erlebst du das auch so?

Alina Kornelli: "Ich finde schon, dass die Community sehr offen ist. Gerade im Wassersport helfen sich die Menschen gegenseitig und freuen sich, wenn neue Leute dazukommen. Was den Sport selbst betrifft, würde ich aber sagen: Er sieht oft einfacher aus, als er tatsächlich ist. Gerade Pumpfoilen ist technisch ziemlich anspruchsvoll und man sollte sich Zeit nehmen, die Grundlagen richtig zu lernen. Mit Geduld und guter Anleitung kann das aber wirklich jeder schaffen."

Wie wichtig sind Veranstaltungen wie die Interboot, um Berührungsängste abzubauen und Menschen für den Wassersport zu begeistern?

Alina Kornelli: "Ich finde solche Veranstaltungen unglaublich wichtig. Natürlich erreicht man über Social Media sehr viele Menschen, aber am Ende findet dort alles digital statt. Der persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen. Auf Messen wie der Interboot können die Menschen Fragen stellen, Sportarten direkt ausprobieren und einfach mit anderen Wassersport Begeisterten ins Gespräch kommen. Genau daraus entstehen oft spannende Gespräche, neue Projekte oder einfach Motivation, selbst etwas Neues auszuprobieren. Gerade in einer Zeit, in der vieles digital und von KI geprägt ist, finde ich echte Begegnungen umso wertvoller."

Welche Ziele hast du als nächstes?

Alina Kornelli: "Im Moment ist bei mir vieles bewusst offen. Ich möchte meine Social-Media-Kanäle und meinen YouTube-Kanal weiter ausbauen und noch mehr Menschen für den Wassersport begeistern. Sportlich möchte ich mich ebenfalls weiterentwickeln. Diesen Winter möchte ich an verschiedene Wellenspots reisen, um mein Wellenreiten und Wave-Kiten und Foilen weiter zu verbessern, weil mir das unglaublich viel Spaß macht. Und natürlich steht auch die Frage im Raum, ob ich noch einmal versuche, mich für die Olympischen Spiele 2028 zu qualifizieren. Das wäre allerdings mit einigen Herausforderungen verbunden, weil sich die Anforderungen in der olympischen Klasse verändert haben und ich dafür körperlich noch einmal deutlich zulegen müsste. Deshalb ist diese Entscheidung noch offen. Der Gedanke reizt mich auf jeden Fall, aber aktuell genieße ich auch die Freiheit, neue Projekte umzusetzen und mich in verschiedene Richtungen weiterzuentwickeln. Mir ist es gerade super wichtig, den Wassersport wieder größer zu machen und viele Leute durch meinen Einfluss dazu zu inspirieren."