Katharina Schwachhofer und Elena Stoltze

Teamgeist als Erfolgsrezept

Wie seid ihr zum Segelsport gekommen?

Elena und Katharina: "Wir haben beide, unabhängig voneinander, durch unsere Geschwister zum Segelsport gefunden. Elena ist am Bodensee aufgewachsen, ihre Schwester war ihr größtes Vorbild. Nachdem sie Elena das erste Mal zum Opti Training mitgenommen hatte, war das beschlossene Sache. Katharina saß im Urlaub am Achensee mit ihrem Bruder zum ersten Mal im Opti, danach stand die erste Regatta in Portoroz schnell fest und der Rest war keine Frage."

Was begeistert euch am Segeln?

Elena und Katharina: "Am Segelsport begeistert uns vor allem seine Vielseitigkeit. Kein Tag auf dem Wasser ist wie der andere: Wind, Wellen und Wetter verändern sich ständig und verlangen, dass wir uns immer wieder neu anpassen und die richtigen Entscheidungen treffen. Das ganze oft bei maximaler körperlicher Belastung und hohem Entscheidungsdruck. Genau diese Dynamik macht unseren Sport so spannend und fordernd. Gleichzeitig ist es ein besonderer Thrill, sich mit den besten Seglerinnen der Welt zu messen und dabei jeden Tag an die eigenen Grenzen zu gehen. Hinzu kommt die einzigartige Nähe zur Natur: Wir verbringen unzählige Stunden auf dem Wasser und haben dadurch eine starke Verbindung zu Meeren und Ozeanen entwickelt, die unseren Sport für uns zu etwas ganz Besonderem macht."

Impressionen

Wie erlebt ihr den Segelsport heute – ist er für Frauen selbstverständlicher geworden oder gibt es noch Hürden?

Elena und Katharina: "Im Vergleich zu früher hat sich für uns definitiv vieles verändert. Wir sind zunächst in geschlechtergemischten Bootsklassen gesegelt, in denen der Männeranteil deutlich höher als der Frauenanteil war. Heute starten wir in einer reinen Frauenklasse, was die Dynamik im Feld verändert hat. Trotzdem ist das Frauenfeld nach wie vor deutlich kleiner als das Männerfeld und das hat aus unserer Sicht auch strukturelle Gründe. Ein gutes Beispiel ist die Vereinbarkeit von Leistungssport und Familie. Im Männerfeld gibt es viele Athleten, die auch als Väter ihre Karriere auf höchstem Niveau fortsetzen können. Für Frauen bedeutet eine Schwangerschaft hingegen zwangsläufig eine Wettkampf- und Trainingspause und ein Comeback mit Kind ist oft deutlich schwieriger. Hier braucht es aus unserer Sicht noch bessere Rahmenbedingungen und mehr Unterstützung, damit sich nicht so viele Athletinnen zwischen Familie und Spitzensport entscheiden müssen. Hinzu kommen Herausforderungen, die speziell Frauen betreffen. In unserer Bootsklasse ist ein höheres Körpergewicht oft ein sportlicher Vorteil. Gleichzeitig stehen viele Sportlerinnen gesellschaftlich unter dem Druck eines sehr schlanken Schönheitsideals. Mit diesen widersprüchlichen Erwartungen umzugehen, ist nicht immer einfach. Insgesamt ist der Segelsport heute für Frauen selbstverständlicher geworden als noch vor einigen Jahren aber es gibt nach wie vor einige Hürden, an denen wir arbeiten sollten."

Welche Erfahrung habt ihr als junge Frauen im Leistungssport gemacht?

Elena und Katharina: "Als junge Frauen im Leistungssport haben wir vor allem gelernt, wie wertvoll Vertrauen und Zusammenhalt sind. Wir segeln inzwischen seit neun Jahren zusammen, eine außergewöhnlich lange Zeit, in der wir gemeinsam gewachsen sind. Wir haben uns gegenseitig auf unserem Weg geprägt und haben uns dadurch zu den Persönlichkeiten entwickelt, die wir heute sind. Wir haben große Erfolge gefeiert und unglaubliche Momente erlebt, aber auch schwierige Phasen durchgestanden. Gerade diese Höhen und Tiefen haben uns als Team und auch als Menschen geprägt. Leistungssport bedeutet, ständig mit Erwartungen, Druck und Rückschlägen umzugehen. Dazu kamen für uns auch Erfahrungen mit Anfeindungen oder Situationen, in denen wir uns behaupten mussten. Gleichzeitig haben wir erlebt, wie viel man erreichen kann, wenn man an sich glaubt und sich gegenseitig unterstützt. Genau das macht unseren Weg aus: Nicht, dass immer alles perfekt läuft, sondern dass wir Herausforderungen gemeinsam annehmen und immer wieder gestärkt daraus hervorgehen."

Was müsste sich eurer Meinung ggf. ändern, damit noch mehr Mädchen und Frauen den Weg in den Wassersport finden?

Elena und Katharina: "Wir glauben, dass der wichtigste Ansatz darin liegt, Mädchen schon früh für den Wassersport zu begeistern und ihnen den Einstieg möglichst leicht zu machen. Gerade im Breitensport können Vereine viel bewirken, indem sie gezielt auf die Bedürfnisse von Mädchen eingehen und ihnen ein Umfeld bieten, in dem sie sich wohlfühlen und langfristig dabeibleiben. Dabei geht es aus unserer Sicht aber nicht darum, Mädchen und Jungen grundsätzlich zu trennen, sondern gleiche Chancen und gute Rahmenbedingungen für alle zu schaffen. Gleichzeitig braucht es mehr Sichtbarkeit für erfolgreiche Seglerinnen. Vorbilder spielen eine große Rolle: wenn junge Mädchen sehen, was Frauen in unserem Sport erreichen können, trauen sie sich häufig auch selbst mehr zu. Deshalb wünschen wir uns insgesamt mehr Medienberichterstattung über den Frauensegelsport und mehr Aufmerksamkeit für die Athletinnen, die bereits heute auf höchstem Niveau erfolgreich sind. Das kann helfen, den Sport langfristig noch attraktiver und zugänglicher für die nächste Generation zu machen."

Welche Rolle spielen Veranstaltungen wie die Interboot für den Segelnachwuchs?

Katharina Schwachhofer und Elena Stoltze
Es bedeutet uns sehr viel, Teil der Interboot zu sein. Für uns ist das eine besondere Möglichkeit, nicht nur über unseren Sport zu sprechen, sondern auch über die Werte, die uns antreiben.

Elena und Katharina: "Für uns hat die Interboot auch eine ganz persönliche Bedeutung. Elena wurde hier bereits als Opti-Seglerin für ihre Erfolge geehrt, später wir gemeinsam dann auch im 29er. Genau solche Momente bleiben einem in Erinnerung. Gerade als junges Mädchen ist es etwas Besonderes, auf einer so großen Bühne Anerkennung für die eigene Leidenschaft zu bekommen. Das motiviert ungemein und zeigt, dass sich Einsatz und harte Arbeit lohnen. Darüber hinaus sind Veranstaltungen wie die Interboot unglaublich wichtig, weil sie den Segelsport sichtbar machen. Sie bringen Nachwuchs, Spitzensport, Vereine, Unternehmen und Segelbegeisterte zusammen und schaffen Möglichkeiten für Austausch und neue Kontakte. Für viele junge Seglerinnen und Segler kann genau so eine Begegnung oder Ehrung der Anstoß sein, den eigenen Traum im Sport weiterzuverfolgen."

Was bedeutet es euch bei der Interboot dabei zu sein?

Elena und Katharina: "Es bedeutet uns sehr viel, Teil der Interboot zu sein. Für uns ist das eine besondere Möglichkeit, nicht nur über unseren Sport zu sprechen, sondern auch über die Werte, die uns antreiben: Teamwork, Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft und den Umgang mit Herausforderungen. Wenn wir mit unserer Geschichte Menschen inspirieren oder für den Segelsport begeistern können, ist das etwas sehr Wertvolles. Gleichzeitig ist es für uns eine große Ehre, auf einer Veranstaltung wie der Interboot dabei zu sein. Sie bietet uns die Chance, Sichtbarkeit für den Segelsport und insbesondere den Frauensegelsport zu schaffen und mit Menschen in den Austausch zu kommen, die unsere Leidenschaft teilen oder sie vielleicht erst noch entdecken."